Montag, 29. Januar 2018

BAG - Arbeitsverträge von Fußball-Profis dürfen befristet werden

Die Befristung von Arbeitsverträgen mit Lizenzspielern der Fußball-Bundesliga ist mit Blick auf die besondere Eigenart der Arbeitsleistung der Spieler gerechtfertigt. Im kommerzialisierten Spitzenfußball würden von Lizenzspielern sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet, die diese nur für eine begrenzte Zeit erbringen können, urteilte das Bundesarbeitsgericht mit Urteil vom 16.01.2018 (Az.: 7 AZR 312/16).

Der Entscheidung liegt der folgende Fall zu Grunde:
Das Arbeitsgericht Mainz (ArbG Mainz, Urteil  vom 19. März 2015 – 3 Ca 1197/14) hatte entschieden, dass der Torwart Heinz Müller wieder in den Kader des Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 zurückkehren darf, da der Arbeitsvertrag  zu Unrecht befristet worden sei.
Das BAG hat die Verhältnisse wieder zu Recht gerückt und ebenso wie bereits die Vorinstanz (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 17.02.2016 – 4 Sa 202/15) im Sinne des beklagten Vereins entschieden. Lizenzspielerverträge mit Profifußballern dürfen auch länger als zwei Jahre befristet werden. Zu einer Revolution wie seinerzeit nach dem Bosman-Urteil (EuGH, Urteil vom 15.12.1995 – Rs. C-415/93) wird es deswegen ebenso wenig kommen wie zu gefürchteten (weiteren) Wettbewerbsnachteilen der deutschen Fußball-Bundesliga im internationalen 

Die Entscheidung des ArbG Mainz  hätte das gesamte Transfersystem und das Vertragswesen im Profifußball in seiner jetzigen Form auf den Kopf stellen können. Im Kern geht es neben der persönlichen arbeitsrechtlichen Situation zwischen Mainz und Müller dabei um die Frage, ob Profifußballspielern der gleiche arbeitsrechtliche Schutz zuteilwerden darf bzw. soll wie allen übrigen Arbeitnehmern im Wirtschaftsleben.

Profisportler unterzeichnen am Anfang ihrer Karriere sehr häufig die vom jeweiligen Fussballclub vorgelegten Verträge, ohne zuvor die einzelnen Vertragsklauseln von einem Spezialisten durchleuchten zu lassen oder gar selbst vollständig zu lesen.

Der Running-Anwalt mit dem Schwerpunkt Sportrecht empfiehlt daher Profisportlern, vor Unterzeichnung eines Vertrages, die gesamten Vertragsklauseln einzeln durchzugehen und dabei professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wichtig ist es auch, einige Absicherungsklauseln für den Fußballprofi im Rahmen von Vertragsverhandlungen einzubeziehen. Denn es kommt oft vor, dass Spieler für mehrere Monate verletzungsbedingt keine Leistungen für den Verein erbringen können.
Dem Torwart Heinz Müller war vorliegend  mangels Kenntnis vom konkreten Vertragsinhalt nicht bekannt, dass er wegen seinem verletzungsbedingten Ausfall keinen Anspruch auf die vereinbarten Punkte- und Erfolgspunkteprämien im Verletzungszeitraum hatte und der Vertrag vorzeitig seitens des Fußballclubs – trotz vereinbarter Verlängerungsoption – beendet werden konnte.

Folgendes hat das Bundesarbeitsgericht entschieden:
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass die Befristung von Arbeitsverträgen mit Lizenzspielern der Fußball-Bundesliga mit Blick auf die besondere Eigenart der Arbeitsleistung der Spieler gerechtfertigt ist. Im kommerzialisierten Spitzenfußball würden von Lizenzspielern sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet, die diese nur für eine begrenzte Zeit erbringen können.
Der klagende Torwart Heinz Müller war beim Fussballbundesligisten   1. FSV Mainz 05 seit dem 01.07.2009 als Lizenzspieler  beschäftigt. Sein Arbeitsvertrag von 2012 enthielt eine Befristung bis Juni 2014 und die Option, den Vertrag bis Juni 2015 zu verlängern, wenn der Kläger in der Saison 2013/2014 in mindestens 23 Bundesligaspielen eingesetzt wird. Nach dem Vertrag erhielt der Kläger eine Punkteeinsatzprämie und eine Erfolgspunkteinsatzprämie für Ligaspiele, in denen er von Beginn an oder mindestens 45 Minuten eingesetzt ist. Der klagende Profifußballer absolvierte in der Saison 2013/2014 neun der ersten zehn Bundesligaspiele. Im elften Spieltag wurde er in der Halbzeit verletzt ausgewechselt und in den verbleibenden Spielen der Hinrunde verletzungsbedingt nicht mehr eingesetzt. Nach Beendigung der Hinrunde wurde der Profikicker nicht mehr zu Bundesligaspielen herangezogen, sondern der zweiten Mannschaft des Beklagten zugewiesen.

Der Kläger begehrte vergeblich die Feststellung, dass das Arbeitsverhältnis der Parteien nicht aufgrund der vereinbarten Befristung am 30.06.2014 geendet hat.

Auch sein Hilfsantrag, den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses infolge der von ihm ausgeübten Verlängerungsoption bis zum 30.06.2015, scheiterte.

Die vom Kläger verlangte Zahlung von Punkte- und Erfolgspunkteprämien für die Spiele der Rückrunde der Saison 2013/2014 wurde von der Berufungsinstanz zurückgewiesen.

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